Prominente und Testimonials

„Und dann brauchen wir noch einen Promi als Schirmherrn.“ Dieser Satz fällt gerne bei Kampagnenplanungen. Keine Jubiläumsbroschüre kommt ohne das Vorwort einer prominenten Person aus und Testimonials befinden sich in Nachlassbroschüren und anderen Publikationen.

Dahinter steckt immer die mehr oder weniger ausgesprochene Hoffnung, dass prominente Fürsprecher*innen die Werbung für das Projekt oder die Resonanz auf ein Mailing oder Patenschafts-Produkt verstärken. Und es gibt bekannte Beispiele, bei denen eine NPO zum Teil langjährig durch eine prominente Persönlichkeit profitiert. Entweder weil der prominente Mensch die NPO mit ins Leben rief oder später als Fürsprecher dafür wirbt.

Die üblichen Verdächtigen

Auf der anderen Seite blicken uns von Flyern und Broschüren Professoren, Landräte oder Politiker (a. D.) an. Und ja, zumeist in der männlichen Form, Frauen sind die Ausnahme. Allerdings sind die Personen oft nur Eingeweihten bekannt, oder ihre Nähe zur NPO beschränkt sich auf ein Grußwort. Die Hauptqualifikation als Fürsprecher scheint zu sein, dass sie den NPO-Verantwortlichen spontan in den Sinn kamen, sie greifbar waren und zusagten.

Zwei Gründe sind es meist, warum es sich lohnen kann, über eine prominente Person als Fürsprecher*in (bzw. Testimonial) nachzudenken:

  • Bekanntheit: Die NPO ist wenig bekannt und man erhoffen sich, von der Für­spre­­­cher*in-Prominenz zu profitieren, selbst bekann­ter zu wer­den.
  • Imagetransfer: Die Menschen, welche man als Förderer gewinnen will, wissen nicht so recht, was sie von der NPO zu halten haben. Das kann an ei­nem fremd klingenden Namen liegen, an einem sperrigen The­ma oder der Konkurrenz auf dem von ihr be­ackerten Feld. Promi­nen­te Fürsprecher*innen haben die Funk­tion eines Gütesiegels.

Das Engagement prominenter Persönlichkeiten kann zeitlich und im Umfang unterschiedliche Formen haben:

  • Pro-Bono-Auftritt bei einer Veranstaltung
  • Werbung im Rahmen von zeitlich begrenzten Aktionen
  • Testimonial für eine spezielle Zielgruppe der NPO (zum Beispiel Unternehmer*innen, Justiz-Mitarbeitende etc.)
  • Markenbotschafter*in in vielen Medien der NPO

Tipps zur Suche

Wie findet man nun einen geeigneten und auch willigen Menschen? Einige Ideen zur Wahl prominenter Fürsprecher*innen:

  • Gibt es eine thematische Nähe zur Wunschperson? Ist er oder sie bereits Mitglied oder fördernd bei der NPO?
  • Suchen Sie doch gleich drei mögliche Fürsprecher*innen und ent­­­werf­en Sie ein Wunschraster. Das erhöht Ihre Freiheit und Sie le­gen sich nicht auf den ersten Namen fest, der Ihnen oder Ihren Kolle­g*innen oder Vorständen einfällt. Das Raster sollte emo­tio­nale und sachliche Argumente pro/contra gleichermaßen berück­sich­tigen.
  • Hat der Wunsch-Prominente einen Idol-Status bei der Spender­schaft oder steht ihr sonst irgendwie nah? Denken Sie an Reli­gi­on, Thema der NPO, Lebensstil, Alter, lokale oder regionale Pro­mi­nenz etc. Der Mensch muss in irgendeiner Weise zur NPO, den fördernden Personen oder dem Anliegen passen. Es geht nicht um den persönlichen Geschmack von Mitarbeitenden der NPO.
  • Was sollte eine prominente Persönlichkeit motivieren, für Ihre NPO werblich aufzutreten? Nehmen Sie gedanklich deren Per­spek­tive ein. Das kann Ihnen helfen, die passenden Argumente für die Ansprache zu finden. Zum Beispiel wird von Prominenten oft erwartet, dass sie sich in irgendeiner Weise gemeinnützig en­ga­gieren oder positionieren.
  • Seien Sie selbstbewusst. Es muss eine Win-win-Situation für bei­de Seiten sein.
  • Prominenz ist etwas, was im Auge der Zielgruppe entsteht. Für Buß­­geldwerbung kann eine bekannte Richterin oder ein Polizeipräsident das passende Testimonial sein. Oder für Firmen­an­sprachen kann es eine bekannte Unternehmer-Persönlichkeit sein.
  • Haben Sie die Person exklusiv für Ihren NPO-Sektor (Soziales, Um­­­­welt etc.)?
  • Prominenter Mensch und NPO sollten in etwa in der gleichen „Liga spielen“. Regionale NPOs und regionale Promis passen gut, bun­des­weite NPOs und nationale Idole ebenso. Andere Mi­schun­gen sind eher schwierig – für beide Seiten. Etwas anderes ist, wenn der Mensch zum Beispiel aus der Region der NPO stammt.
  • Prominente gibt es auf vielen Feldern: Sport, Gesellschaft, Wissen­schaft, Philosophie, Schauspiel, Szene, Musik, Literatur, lo­kal, regional, Olympia, Paralympics etc.
  • Werden Sie sich organisationsintern darüber klar, welche Er­war­tung Sie haben.
  • Legen Sie bei einer längerfristigen Zusammenarbeit schriftlich fest, welche konkrete Erwartung Sie an das Engagement Ihres promi­nen­ten Testimonials haben (Auftritt bei Veranstaltungen, Fo­to-Nutzung in Mailings und Publikationen, Zitate etc.). Die Verein­barung sollte auch berücksichtigen, was im Fall der Tren­nung passiert (bis wann sind Materialien zu vernichten, Bilder von der Website zu entfernen etc.).
  • Werden Sie mit dem Menschen vertraut. Laden Sie ihn in Ihre Einrichtung ein, stellen Sie Ihre Arbeit vor. Und beobachten Sie die Reaktion, ob die Chemie passt.
  • Fürsprecher*innen sollen Ihnen wenig Arbeit machen und nicht an­strengender als nötig sein. Es geht nicht darum, auf Biegen und Bre­chen jemanden zu finden.
  • Der Kontakt zu vielen Prominenten läuft über ihr Management. Sei­en Sie sich bewusst, dass die­se oft viele Anfragen erhalten. Viel­leicht gibt es aber über die Engagierten der NPO Kontakte zu Pro­mi­nenten, welche aufgrund von Nachbarschaft, Schul­freund­schaft etc. bestehen. Fragen sie innerhalb Ihrer NPO herum.
  • Nehmen Sie anstelle des typischen und oft langweiligen Porträt­bil­des doch ein Foto, welches Ihr Testimonial im Kontext Ihrer Ar­beit zeigt.
  • Recherchieren Sie, wie andere NPOs es mit Prominenten halten. Was gefällt Ihnen daran, was missfällt Ihnen? Lernen Sie daraus.

Vorsicht bei …

Ein prominenter Mensch ersetzt nicht die ureigene Öffentlichkeitsarbeit. Und man sollte bei der Wahl prominenter Fürsprecher aufpassen:

  • Bei Menschen mit politischen Ämtern sollten Sie sich gut über­le­gen, ob diese als par­tei­übergreifend positiv wahrgenommen wer­den. Häufig po­larisieren sie, sind bei fast jedem Verein irgendwo aktiv und lassen sich praktisch nicht exklusiv als Fürsprecher*in dar­stellen.
  • Generell gilt, dass Sie polarisierende Persönlichkeiten vermeiden soll­ten. Eine Ausnahme ist, wenn die Polarisierung direkt mit Ihrem Auftrag als NPO zusammenhängt.
  • Prominente bergen auch ein Risiko. Wenn aus irgendeinem Grund ihr Stern sinkt oder sie in einen Skandal verwickelt sind, ist die NPO mit betroffen und muss schnell und professionell reagieren. Meiden Sie „Skandalnudeln“ als Testimonial. Ihre NPO gerät un­wie­gerlich mit in den Strudel.

Prominente Fürsprecher*innen sind eine feine Sache, wenn sie dazu beitragen, dass die NPO einen höheren Bekanntheitsgrad erhält oder vom Ansehen profitiert. In letzterem Fall ist die prominente Persönlichkeit Garant für die Seriosität und Qualität Ihres Anliegens. Nur aus Lust und Laune, sich der Mühe zu unterziehen, einen Prominenten an Bord zu holen, wird schnell mehr Mühe bereiten als Nutzen bringen.


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